Passivhaus

Exkurs: das Passivhaus – inwieweit lohnen sich die Zusatzinvestitionen?

Wer ein Passivhaus überwiegend aus Überzeugung baut und damit ein Stück zur Verbesserung des Klimas und der Umwelt beitragen will, macht sich möglicherweise erst im zweiten Schritt Gedanken darüber, ob sich die hierfür nötigen Mehrkosten für ihn wirtschaftlich auszahlen. Für die Mehrheit der Bauherren steht der finanzielle Aspekt jedoch mindestens gleichberechtigt neben dem ökologischen. Ein Passivhaus kann beim Bau oder erstmaligem Kauf durch die KfW gefördert werden, wenn es die Kriterien für eines der KfW-Effizienzhäuser erfüllt.

Der Frage, ob sich der Bau eines Passivhauses ökonomisch lohnt, hat sich 2015 die Wohnbaugesellschaft GWW aus Wiesbaden gewidmet. Es sollte also herausgefunden werden, ob die durch die hochwertigere energetische Bauweise eingesparten Heizkosten im Laufe der Jahre tatsächlich höher sind als die für den Bau verwendeten Mehrkosten.

 

 

Der Versuch und seine Rahmenbedingungen

Es handelt sich um insgesamt acht Mehrfamilienhäuser, die als Modellprojekt konzipiert wurden und einander hinsichtlich ihrer Abmessungen, Lage und Ausrichtung völlig gleichen. Auch die Zahl und Verteilung der Wohnungen sind völlig identisch. Die Gebäude waren 2013 bezugsfertig.

 

Sie unterscheiden sich allerdings in ihren Baustandards:

Die GWW hat die Wohnhäuser nach dem Passivhaus-, dem KfW-Effizienzhaus- und dem EnEV-2009-Standard errichten lassen. Das Investitionsvolumen betrug 11 Mio. Euro.

 

In ihrem Zwischenbericht zeigte sie sich desillusioniert:

Die Einsparungen in den Passivhäusern wurden als „kaum messbar“ bezeichnet. Zwar wurde in ihnen weniger Heizenergie verbraucht, der Stromverbrauch war dort allerdings um 50 % höher als in den Gebäuden, die nach EnEV-Vorgaben gebaut wurden. Das lag insbesondere an den Lüftungsanlagen. Dabei wiesen Vertreter der Gesellschaft darauf hin, dass die sog. “graue Energie“, die für die Herstellung der für die Passivhäuser zusätzlich verwendeten Baustoffe oder –teile benötigt wird, in ihre Berechnungen nicht eingeflossen ist, aber die Einsparbilanz noch deutlich verschlechtern würde.

 

Hinsichtlich der Baukosten gab es den größten Kostenunterschied zwischen den Passiv- und den EnEV-Häusern:

Erstere waren um 13,5 % teurer, was in diesem Fall Mehrkosten von etwa 250,-- € pro Quadratmeter entspricht.


Die KfW-55 Häuser verursachten dagegen nur um 2 % höhere Baukosten als die nach der EnEV errichteten Gebäude. Allerdings räumten die Verantwortlichen hier ein, dass diese Häuser sich im Hinblick auf ihre Lage und Ausrichtung von den anderen beiden Haustypen unterschieden und daher nicht vollständig mit ihnen vergleichbar seien.